Archiv der Kategorie: Aktuelles

Landgericht Potsdam vom 27.09.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Zweifelhafte Medikamentierung eines Reserveantibiotikums, LG Potsdam, Az.: 11 O 16/17

Chronologie:
Der Kläger begab sich aufgrund einer bakteriellen Infektion in die Behandlung bei der Beklagten. Dort wurde ihm das Medikament Levofloxacin verordnet. Dieses Medikament ist mit Risiken behaftet. Der Kläger litt in der Folge an Atem-, Muskel- und Kniebeschwerden und erlitt einen Hörsturz. Es wird vorgeworfen, dem Kläger kein risikoärmeres Medikament verordnet zu haben.

Verfahren:
Das Landgericht Potsdam hat den Vorfall gutachterlich hinterfragen lassen. Im Ergebnis stellte der Gutachter heraus, dass keine zwingende Indikation für die Verordnung von Levofloxacin bestanden habe. Das Gericht schlug den Parteien daraufhin einen Vergleich über pauschal 5.000,- Euro vor, den diese akzeptierten.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Bei der Medikamentenverordnung muss der behandelnde Arzt jeweils darauf achten, ob keine Kontraindikation besteht und im Zweifel auch auf ein risikoärmeres Mittel zurückgreifen. Treten gesundheitliche Probleme nach der Einnahme auf, kann dieses zu möglichen Ansprüchen des Patienten führen, so wie hier, stellt Rechtsanwalt Daniel C. Mahr, LLM, Fachanwalt für Medizinrecht heraus.

Oberlandesgericht Köln vom 19.09.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Fehlgeschlagene Knie-TEP Operation, OLG Köln, Az.: 5 U 100/18

Chronologie:
Die Klägerin litt seit dem Jahre 2009 unter degenerativen Beschwerden im Knie. Es wurde eine primäre Gonarthrose linksseitig diagnostiziert. Erst einige Jahre später entschloss sich die Klägerin zu einer Knie-TEP Operation. Seither besteht ein irreversibles Bewegungsdefizit. Die Klägerin kann nur noch etwa einhundert Meter am Stück gehen.

Verfahren:
Mit dem Vorfall hatte sich bereits das Landgericht Aachen (Az.: 11 O 408/16) befasst und die Klage als unbegründet abgewiesen. Hiergegen richtet sich die Berufung der Klägerin. Der OLG-Senat sah die Sache anders. Insbesondere sei die Indikation für die Operation sehr zweifelhaft gewesen. Es hätte auch eine konservative Behandlung vorgenommen werden können. Das Gericht schlug den Parteien sodann einen Vergleich über 15.000,- Euro vor, den diese akzeptierten.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Es werden immer wieder Operationen in Fällen vorgenommen, in denen konservative Therapiemethoden noch möglich sind. Diese sind weniger einschneidend. Wird hierüber von Behandlerseite nicht hinreichend aufgeklärt, hat ein Patient in einem Arzthaftungsprozess gute Chancen zu einem Erfolg zu kommen, meint Dr. D.C.Ciper LLM, Fachanwalt für Medizinrecht.

Landgericht Trier vom 23.01.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Tod durch Multiorganversagen nach Rektumresektion, 30.000,- Euro, LG Trier, Az.: 4 O 236/18

Chronologie:
Der zwischenzeitlich verstorbene Patient begab sich aufgrund eines Rektumkarzinoms in die Einrichtung der Beklagten zwecks laparoskopischer Rektumresektion. Postoperativ traten Komplikationen auf: Es wurden ein hoher Laktatwert und ein Hb-Abfall festgestellt und es entwickelten sich Hämatome, auf die die Behandlerseite erst zwei Tage später reagierte. Nach fulminanter Verschlechterung verstarb der Patient sodann aufgrund eines Multiorganversagens im septischen Schock.

Verfahren:
Im Vorfeld des Verfahrens war bereits die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz mit dem Fall befasst gewesen und konstatierte ein grob fehlerhaftes Diagnose- und Therapiemanagement im Hause der Beklagten. Es hätte unverzüglich eine therapeutische Maßnahme erfolgen müssen. Das Landgericht Trier hat aufgrund der Eindeutigkeit der Sach- und Rechtslage ohne Einholung eines weiteren Gutachtens einen Vergleichsvorschlag über 30.000,- Euro unterbreitet, dem die Parteien nähertraten.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Die Prozessvertreter der Beklagtenseite haben schriftsätzlich unter anderem vorgetragen, die Klage sei „mutwillig“ und die Rechtsverfolgung habe teilweise offenkundig keine Aussicht auf Erfolg. Diese Konstatierung ist schon als deutlich unangemessen zu bezeichnen, vor dem Hintergrund der Gesamtumstände. Die Vergleichssumme wird die Schadenfolge auch nicht wieder rückgängig machen können, hat aber eine Ausgleichs- und Genugtuungsfunktion, stellt die sachbearbeitende Rechtsanwältin Agnes Szlachecki fest.

Landgericht Hannover vom 11.01.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Fehlgeschlagene Hallux Valgus Operation, 20.000,- Euro, LG Hannover, Az.: 19 O 85/16

Chronologie:
Die Klägerin litt unter einem Hallux Valgus beidseits und begab sich in die Behandlung des Beklagten. Anlässlich der Operation übersah der Beklagte einen Schraubenüberstand, woraufhin sich eine Arthrose entwickelte. Zudem entwickelte sich bei der Klägerin eine Infektion im Fuß, da der Beklagte keine erforderliche Antibiotikaprophylaxe vorgenommen hatte.

Verfahren:
Nachdem der Beklagte im vorgerichtlichen Stadium jegliche Fehler und Verantwortung für die entstandenen Schäden von sich gewiesen hatte, bestätigte der vom Landgericht Hannover beauftragte Sachverständige diese indes, woraufhin das Gericht den Parteien einen Vergleich vorschlug. Die Gesamtschadenhöhe liegt bei rund 20.000,- Euro.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Immer wieder kann es bei Hallux Valgus Operationen zu unerwünschten Ergebnissen kommen, so wie hier. Es handelt sich mithin nicht um eine reine Routineoperation, sondern um einen operativen Eingriff, der mit zahlreichen Risikofaktoren behaftet ist, stellen RA Marius B. Gilsbach LLM und RA Dr. D.C.Ciper LLM, beide Fachanwälte für Medizinrecht klar.

Landgericht Bochum vom 04.01.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Läsion des Nervus peroneus nach Plattenosteosynthese des Ischia rechts, LG Bochum, Az.: I – 6 O 159/16

Chronologie:
Die Klägerin ließ sich in 2011 eine Hüfttotalendoprothese implantieren. Nachfolgend entwickelte sich eine Pseudoarthrose im Bereich der 3-fach Beckenosteotomie, so dass in 2014 eine Verplattung des Sitzbeines erfolgte. Hierbei kam es zu einer Läsion des Nervus peroneus, wodurch die Klägerin sturzanfällig wurde. Der Behandlerseite wird eine nicht lege artis vorgenommene Operation, sowie eine unzureichende Risikoaufklärung vorgeworfen.

Verfahren:
Das Landgericht Bochum hat zu dem Vorfall ein fachorthopädisch-fachchirurgisches Gutachten erstellen lassen, das im Ergebnis zu einer nicht ausreichenden Risikoaufklärung kam. Das Landgericht hat den Parteien sodann einen Vergleich von rund 10.000,- Euro zur Gesamtabfindung vorgeschlagen, den diese akzeptierten.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
In Arzthaftungsprozessen wird oftmals auch die Frage der Aufklärungsfehler thematisiert, so wie hier. Ist diese nicht umfassend und hinreichend erfolgt und hätte die geschädigte Patientin eine Alternative zu der vorgenommenen Behandlung gehabt, führt dieser Aufklärungsmangel in der Regel zu einem Prozesserfolg der Klägerseite, konstatiert RA Dr. D.C.Ciper LLM, Fachanwalt für Medizinrecht.

Ausgleichsanspruch eines Gesamtschuldners: Entstehung und Verjährung des Ausgleichsanspruchs eines Haftpflichtversicherers, Grundsatz der Schadenseinheit (BGH vom 08.11.2016, Az.: VI ZR 200/15)

Anwaltsforum Patientenanwälte (http://www.anwaltsforum-patientenanwaelte.de) informiert:

Aktuelle Rechtsprechung des BGH im Medizinrecht:

Ausgleichsanspruch eines Gesamtschuldners: Entstehung und Verjährung des Ausgleichsanspruchs eines Haftpflichtversicherers, Grundsatz der Schadenseinheit (BGH vom 08.11.2016, Az.: VI ZR 200/15).

Die Klägerin war Haftpflichtversicherer der Ärzte Dr. P. und Dr. S. und nimmt die Beklagten aus übergegangenem Recht ihrer Versicherungsnehmer auf Gesamtschuldnerausgleich gemäß § 426 Abs.1 Satz 1 BGB in Anspruch.
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Der BGH entscheidet im Geburtsschadensrecht: Ansprüche aus Behandlungsfehlern können zu anderen Zeiten verjähren als solche aus Aufklärungsversäumnissen (BGH vom 08.11.2016, Az.: VI ZR 594/15)

Anwaltsforum Patientenanwälte (http://www.anwaltsforum-patientenanwaelte.de) informiert:

 Der BGH entscheidet im Geburtsschadensrecht:

Ansprüche aus Behandlungsfehlern können zu anderen Zeiten verjähren als solche aus Aufklärungsversäumnissen (BGH vom 08.11.2016, Az.: VI ZR 594/15)

 Die Parteien stritten im Revisionsverfahren ob Ansprüche des Klägers gegen die Beklagten wegen ärztlicher Behandlungs- und Aufklärungsfehler im Zusammenhang mit seiner Geburt verjährt sind. weiterlesen

Kein Facharzt für Parteigutachten im Arzthaftungsprozess erforderlich

Anwaltsforum Patientenanwälte (http://www.anwaltsforum-patientenanwaelte.de) informiert:

 Kein Facharzt für Parteigutachten im Arzthaftungsprozess erforderlich

 Es liegt kein vertragswidriges Verhalten eines Rechtsanwalts vor, wenn dieser zur Überprüfung einer Berufung im Arzthaftungsprozess einen Allgemeinmediziner zur Begutachtung beauftragt und keinen Fachmediziner (LG Saarbrücken, 9 S 14/16).

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