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Landgericht Regensburg vom 11.11.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Grob fehlerhaft vorgenommene Fasziotomie, 45.000,- Euro, LG Regensburg, Az.: 43 O 1039/17

Chronologie:
Die Klägerin stellte sich erstmals am 02.07.2014 im Krankenhaus der Beklagten vor. Dort wurde eine chronisch-venöse Insuffizienz IV. Grades mit einem kleinen Ulcus cruris venosum diagnostiziert. Unter chronisch-venöser Insuffizienz versteht man Beschwerden, die aufgrund einer pathologischen venösen Hämodynamik entstehen. Dabei sind die Venenklappen (Ventile) der Beinvenen undicht, sodass das venöse Blut entgegen der normalen Richtung nicht herzwärts, sondern von oben nach unten strömt und dort einen chronisch erhöhten venösen Druck verursacht.
Neben der Insuffizienz der großen Rosenvene (großes V. saphena magna) von der Leiste bis zum Innenknöchel lag bei der Klägerin auch eine Verhärtung (Induration) der Haut und der darunter liegenden Bindegewebeschicht vor (Haut- und Gewebssklerose). Diese Haut- und Gewebsverhärtung entsprechend einer Dermatofasziosklerose wird nach HACH in verschiedene Stadien eingeteilt. Bei der Klägerin lag ein Stadium II mit Dermatoliposclerose und einem kleinen Ulcus cruris oder ein Stadium III mit einer Dermatolipofasziosklerose regionalis vor. Das Ausmaß der Hautinduration betrug 10 x 6 cm. Der Umfang der rechten Wade war mit 34,5 cm im Vergleich zur Gegenseite mit 33 cm vergrößert. Sonographisch wurde eine Stammvarikose der V. saphena magna im gesamten Verlauf diagnostiziert. Des Weiteren zeigten sich querverlaufenden Steinäste in Verbindung zur kleinen Rosenvene. Ein detaillierter duplexsonographischer Befund, wie dies üblich ist, mit Beschreibung der Qualität der tiefen Beinvenen (suffizient oder insuffizient, kompressibel oder nicht) und etwaiger vorhandener insuffizienter Perforansvarizen (kurze Verbindungsvenen, welche bei intakten Klappen venöses Blut von der Oberfläche in die tiefen Venen leiten) liegt nicht vor. Es wurden Kompressionsverbände am linken Unterschenkel verordnet. Des Weiteren wird im Arztbrief vom 02.07.2014 nach ambulanter Untersuchung die zeitnahe Indikation zur Entfernung der V. saphena magna gestellt.
Am 03.07.2014 gab es ein Gespräch zwischen der Klägerin und den behandelnden Ärzten über die Crossektomie und Stripping der V. saphena magna links. Unter Crossektomie versteht man die Durchtrennung und Ligatur der Seitenäste der V. saphena magna im Bereich der Leiste, kurz vor der Einmündung in die tiefe Vene (V. femoralis). Über eine alleinige paratibiale Fasziotomie ohne Veneneingriff ist nicht gesprochen worden. Einen entsprechenden Aufklärungsbogen gibt es diesbezüglich auch nicht. Unter Fasziotomie versteht man die Eröffnung der verhärteten Faszie (Muskelhaut) zur Druckentlastung der Muskelloge. Auf Seite 1 des Aufklärungsbogens ist die Crossektomie und das Stripping der V. saphena magna links erwähnt. Die Fasziotomie ist dabei handschriftlich nicht aufgeführt und auf Seite 2 auch nicht durch Unterstreichen hervorgehoben.
Im Operationsbericht vom 08.07.2014 wird als Diagnose aufgeführt:
„chronisch-venöse Insuffizienz IV. Grad links (Ulcus cruris)“
Darunter die Therapie: „paratibiale Fasziotomie“
Über Hautinzesionen am Unterschenkel oben und unten wird die Bindegewebsschicht (Faszie), die im Muskel aufliegt, an der Innenseite des Unterschenkels neben dem Schienbein mit einem speziellen Gerät (Fasziotom) durchtrennt. Dabei werden auch verschiedene Krampfadergebilde entfernt. Die kranke insuffiziente V. saphena magna wird nicht gestrippt. Es wird keine Crossektomie im Bereich der linken Leiste durchgeführt.
Die Klägerin wurde vom 08.07.2014 bis 09.07.02014 stationär behandelt. Im Entlassungsbericht vom 09.07.2014 wird nochmals das Vorgehen der paratibialen Fasziotomie geschildert. Eine Begründung, warum die insuffiziente V. saphena magna nicht entfernt wurde, findet sich nicht.
Die Klägerin wurde sodann entlassen. Als Nachbehandlung erfolgte eine Thromboseprophylaxe mit einer subkutanen Heparintherapie für 10 Tage, das Wickeln der Extremitäten mit elastischen Binden postoperativ für 7 Tage und anschließend das Fortsetzen der Kompressionstherapie mit einem Oberschenkelkompressionsstrumpf der Klasse II. 12 Tage nach der Entlassung, also am 23.07.2014 stellte sich die Klägerin erneut in der Einrichtung der Beklagten wegen anhaltender Schmerzen nach der paratibialen Fasziotomie vom 08.07.2014 vor. Die Klägerin nahm Ibuprofen ein. Es wurde ein Wundheilungsstörung im Bereich der distalen Wunde am linken Unterschenkel diagnostiziert. Die linke Wade war weich. Es zeigte sich eine minimale Schwellung, aber keine Druckschmerzhaftigkeit und keine Überwärmung sowie keine Rötung. Des Weiteren wurde eine Sensibilitätsstörung im Bereich des Schienbeins diagnostiziert. Eine duplexsonographische Diagnostik erfolgte nicht. Aufgrund persistierenden heftiger Schmerzen im Bereich des linken Beines stellte sich die Klägerin schließlich am 29.07.2014 bei ihrem Hausarzt vor. Dieser diagnostizierte eine leichte Rötung im Bereich der Schnittführung am linken Unterschenkel und eine lokale Druckschmerzhaftigkeit im Bereich der Leiste sowie im Verlauf der großen Rosenvene und im Bereich der Kniekehle. Der Hausarzt führte eine duplexsonographische Untersuchung durch und stellte eine tiefe Venenthrombose fest, wobei die vordere tiefe Schienbeinvene (V. tibialis anterior) vor der Einmündung in die Kniekehlenvene (V. poplitea) betroffen war. Des Weiteren diagnostizierte der Hausarzt eine langstreckige Thrombosierung der V. saphena magna von der Leiste bis unterhalb des Kniegelenks und danach eine segmentale Thrombosierung dieser Vene. Schließlich fand der Hausarzt persistierende Perforansvenen cockett II und I sowie Boyd. Der Hausarzt begann die Thromboseprophylaxe mit Heparin. Einen Tag später, am 30.07.2014, wurde die Klägerin erneut wegen stärkerer Schmerzen vorstellig im Gefäßzentrum Barmherzige Brüder (Klinikum St. Elisabeth Straubing). Hier wurde diagnostiziert: Eine Thrombophlebitis der V. saphena magna nach paratibialer Fasziotomie links vom 08.07.2014, ein thrombosiertes Venenkonvolut im Bereich der Wunde am linken Unterschenkel und eine Muskelvenenthrombose, die in die V. saphena parva hineinreichte.
Am 08.10.2014 stellte sich die Klägerin nochmals in der Einrichtung der Beklagten mit Beschwerden vor. Offensichtlich kam es zwischenzeitlich zumindest zu einer Teilrekanalisation (Wiedereröffnung) der ursprünglich trombophlebitisch verschlossenen V. saphena magna am Oberschenkel. Als Behandlungsmöglichkeiten wurde eine Erhöhung des Kompressionsdruckes oder eine Varizenoperation vorgeschlagen. Es wurden Oberschenkelkompressionsstrümpfe der Klasse II verordnet und eine Wiedervorstellung in 8 Wochen vereinbart.
Die Klägerin ist in der Einrichtung der Beklagten nicht dem Facharztstandard entsprechend behandelt worden.

Verfahren:
Die vom Landgericht Regensburg in Auftrag gegebenen Sachverständigengutachten haben ergeben, dass:

1.
Die alleinige Fasziotomie vom 08.07.2014 ohne Beseitigung der venösen Insuffizienz war behandlungsfehlerhaft.

2.
Die alleinige paratibale Fasziotomie in Kombination mit der Entfernung von Varizenkonvoluten stellt einen Verstoß gegen den Facharztstandard dar, der schlechterdings nicht unterlaufen darf. Der streitgegenständliche Eingriff vom 08.07.2014 erfolgte grob behandlungsfehlerhaft.

3.
Bei einer dem Facharztstandard entsprechenden Behandlung (Entfernung der Vena saphena magna) wären die Ursachen der venösen Hypertonie beseitigt gewesen und es wäre mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Abheilung des kleinen Ulcus gekommen.

4.
Die durchgeführte Fasziotomie hätte lediglich adjuvant oder additiv erfolgen dürfen.

5.
Wäre die Vene am 08.07.2014 durch Crossektomie und Stripping fachgerecht entfernt worden, hätte sich keine Thrombophlebitis mit allen Folgeerscheinungen entwickeln können. Die von der Klägerin dargelegten Folgebeschwerden sind (mit Ausnahme der Gewebeverhärtung) sämtlich auf die fehlerhafte Behandlung im Hause der Beklagten zurückzuführen.

Das Landgericht hat den Parteien daraufhin einen Vergleichsvorschlag unterbreitet, den diese akzeptierten. Danach erhält die Klägerin eine Gesamtabfindung in Höhe von 45.000,00 €.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
In vielen Arzthaftungsprozessen reicht es nicht aus, dass das Gericht lediglich ein fachmedizinisches Gutachten erstellen lässt, sondern mehrere, diese dann auch fachübergreifend. Dieses liegt in der Natur der Sache, da die medizinischen Behandlungen sich oftmals auch gerade nicht nur auf ein einzelnes Fachgebiet beschränken, sondern fachübergreifend sind. In solchen Fällen ist dann gesonderte Expertise vonnöten, erklären Rechtsanwältin Irene Rist und Rechtsanwalt Dr. D.C.Ciper LLM, beide Fachanwälte für Medizinrecht.

Landgericht Osnabrück vom 07.11.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Schädigung des Nervus ulnaris durch kontraindizierte Implantation einer Handgelenksprothese, LG Osnabrück, Az.: 3 O 1013/13

Chronologie:
Die Klägerin litt unter schmerzhaften Bewegungsbeeinträchtigungen im Bereich ihres linken Handgelenks. In einem Universitätsklinikum wurde ihr aufgrund dessen zu einer Teilarthrodese geraten. Bedauerlicherweise konnte die dort geplante Operation wegen Kapazitätsüberschreitungen indes nicht stattfinden. Zwischenzeitlich hatte sich die Klägerin an das Haus der Beklagten gewandt, um sich eine Zweitmeinung einzuholen. Der dortige Operateur beschrieb ihr das unumgängliche Erfordernis einer Prothesenimplantation im Bereich des Handgelenks. Infolge dieser Implantation kam es zu einer Schädigung des Nervus ulnaris, unter welcher die Klägerin im weiteren Verlauf erheblich litt.

Verfahren:
Das Landgericht Osnabrück hat zu dem Vorfall ein Fachgutachten eingeholt. Problematisch war, dass die gestellte Indikation nicht im Einklang mit den präoperativ erhobenen Befunden zu bringen war. Allerdings hatte der Operateur in seinem Operationsbericht einen Zustand beschrieben, der wiederum für die streitgegenständliche Operation sprach. Man einigte sich aufgrund der Gesamtumstände auf eine Regulierung des Schadens im mittleren vierstelligen Eurobereich.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Das Nichtvorliegen einer Indikation für einen Eingriff stellt grundsätzlich einen Behandlungsfehler dar, den der geschädigte Patient zu beweisen hat. In diesem Zusammenhang ergeben sich immer wieder Probleme, wenn präoperativ Befunde vorliegen, die einen Eingriff nicht rechtfertigen, der Operateur sodann in seinem Operationsbericht jedoch Umstände beschreibt, die für eine Indikation sprechen. Es kommt dabei vor, dass der Operateur ohnehin Textbausteine für den Eingriff verwendet und Indikationen beschönigt, um die Abrechnungsfähigkeit gegenüber der Krankenversicherung aufzeigen zu können. Daraus können sich – wie im hiesigen Fall – jedoch erhebliche Beweisschwierigkeiten für den geschädigten Patienten ergeben, stellen der sachbearbeitende Rechtsanwalt Marius B. Gilsbach LLM und Rechtsanwalt Dr. D.C.Ciper LLM, beide Fachanwälte für Medizinrecht heraus.

Oberlandesgericht Frankfurt am Main vom 03.11.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Spondylodese und Pseudoarthrose nach Densfraktur der oberen HWS, OLG Frankfurt/M., Az.: 8 U 149/18

Chronologie:
Der Kläger erlitt im Oktober 2010 infolge eines häuslichen Sturzes eine Densfraktur der oberen Halswirbelsäule. Er begab sich daraufhin in die stationäre Behandlung bei der Beklagten und wurde operativ behandelt. Postoperativ entwickelten sich eine Spondylodese und eine Pseudoarthrose. Der Behandlerseite wird eine Reihe von Fehlleistungen vorgeworfen.

Verfahren:
Mit dem Vorfall war bereits das Landgericht Frankfurt/M. (Az. 2 – 04 O 248/14) befasst und hatte die Klage als unbegründet abgewiesen. Hiergegen richtet sich die Berufung des Klägers. Ohne Präjudiz und unter Aufrechterhaltung der geäußerten Rechtspositionen einigten sich die Parteien in der Berufungsinstanz auf eine pauschale Entschädigung im vierstelligen Eurobereich.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Die Besonderheit an diesem Fall ist darin zu sehen, dass der OLG-Senat im Grunde gar nicht inhaltlich involviert werden musste, da sich die Parteien nunmehr auf gütlichem Wege einigen konnten. So etwas kommt in der Arzthaftungspraxis anlässlich zweitinstanzlicher Verfahren äußerst selten vor, stellt Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht Dr. D.C.Ciper LLM klar.

Landgericht Düsseldorf vom 29.10.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Darmperforation anlässlich Operation der Gebärmutter, LG Düsseldorf, Az.: 3 O 302/16

Chronologie:
Die Klägerin begab sich aus gynäkologischen Gründen in die Behandlung der Beklagten, wo laparoskopisch ein künstliches Band im vaginalen Unterbauch implantiert wurde. Postoperativ traten erhebliche Schmerzen auf, eine Revisionsoperation wurde erforderlich. Es stellte sich heraus, dass es anlässlich der Erstoperation zu einer Darmperforation gekommen war.

Verfahren:
Das Landgericht Düsseldorf hat zu dem Vorfall ein gynäkologisches Gutachten eingeholt. Dieses Gutachten hatte kein eindeutiges Ergebnis, so dass der befasste Sachverständige nochmals mündlich zu der Sache angehört wurde. Als kritisch bewertet wurde, dass die Klägerin nicht über die Gefahr einer Netzwanderung und der damit verbundenen Gefahr einer sekundären Darmperforation informiert wurde. Die Parteien schlossen daraufhin auf Anraten des Gerichtes einen Vergleich im hohen vierstelligen Eurobereich.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Auch in den Fällen, in denen es einem geschädigten Patienten nicht gelingt, einen kausalen Behandlungsfehler nachzuweisen, kann es im Rahmen einer gerichtlichen Auseinandersetzung zu einer vergleichsweisen Klärung kommen, so wie hier. Ein Vergleich stellt immer ein gegenseitiges Entgegenkommen dar, so dass der geschädigte Patient in solchen Fällen natürlich nicht die vollständige eingeklagte Summe erhält, stellt Dr. D.C.Ciper LLM, Fachanwalt für Medizinrecht klar.

Landgericht Nürnberg vom 22.10.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Fehldiagnose einer Diskusruptur mit Ulna Impaction Syndrom, LG Nürnberg, Az.: 4 O 8245/18

Chronologie:
Die Klägerin ist nach dem Einkaufen auf Blitzeis vor der Haustür ausgerutscht und gestürzt. Unmittelbar nach dem Sturz wurden das linke Handgelenk und der linke Unterarm als auch die Hand dick und schmerzten. Sie stellte sich daraufhin einer Klinik vor. Dort wurde eine Röntgenaufnahme gefertigt und der Klägerin mitgeteilt, dass man aufgrund der starken Schwellung nicht viel sehen könne.
Schließlich wurde ein MRT bei der Beklagten durchgeführt. Dort wurde befundet:

„unauffälliges Signalverhalten der knöchernen Strukturen im Untersuchungsgebiet. Regelrechte Artikulation im Radiokarpalgelenk, im Karpometakarpalgelenk sowie im Daumensattelgelenk, keine vermehrte Gelenkflüssigkeit. TFCC-Komplex/Discus triangularis unauffällig, homogen signalgebend. SL-Band, radiale und ulnarseitige Seitenbänder regelhaft dargestellt. Weichmantel unauffällig, Flexoren- und Extensorensehnenloge regelrecht. Keine höhergradigen Knorpelauffälligkeiten. Beurteilung: Unauffälliges Handgelenks-MRT, kein Hinweis auf ligamentäre, ossäre, chondrale oder weichteildichte Pathologien.“

In der Folgezeit stellte sich die Klägerin bei einem Facharzt für (Hand-)Chirurgie, Dieser empfahl der Klägerin aufgrund ihres MRT-Befundes des Beklagten zur Ergotherapie. Dem Rat folgend machte die Klägerin rund 30 Sitzungen Ergotherapie, welche ihr aber weiterhin nur Schmerzen bereiteten. Da sich die Beschwerden nicht besserten, stellte sich die Klägerin schließlich bei einem weiteren Handchirurgen vor. Dieser stellte die Diagnose einer Diskusruptur mit Ulna Impaction-Syndrom, eine komplette SL-Bandruptur und eine Tendovaginitis stenosans de Quervain Handgelenk links und führte deshalb eine Handgelenksspiegelung und arthroskopische Therapie durch.

Die Klägerin leidet bis heute unter starken Schmerzen sowie einer Schwellung und einer Funktionsbeeinträchtigung der linken Hand und des linken Handgelenks.
Sie kann sich beispielsweise nicht mehr auf der linken Hand auf- oder abstützen. Bei vielen Bewegungen der Finger bekommt sie eine Schwellung am ulnarseitigen distalen Unterarm. Die Funktionsbeeinträchtigung des linken Handgelenkes wird sich voraussichtlich auch in Zukunft nicht bessern. Ferner hat die Klägerin Probleme mit der Feinmotorik an der linken Hand. Wenn sie kleinere Sachen greifen oder nehmen möchte, hat sie das Gefühl, als würden Stromschläge durch das Handgelenk fahren. Die linke Hand kann sie nicht nach dorsal extendieren. Auch das Umblättern von Seiten ist ihr mit der linken Hand nicht möglich. Aufgrund ihrer vorbestehenden Gehbehinderung muss sich die Klägerin auch beim Treppensteigen mit beiden Händen festhalten und nach oben ziehen, was ihr links praktisch nicht mehr möglich ist. Auch Alltagstätigkeiten, wie Kochen oder Zwiebelschneiden, sind ihr nur deutlich eingeschränkt möglich, da sie das linke Handgelenk nicht ausreichend bewegen kann. Sie trägt eine Handgelenksorthese links, die dorsal und palmar mit einer Metallschiene verstärkt ist. Diese muss sie fast ständig tragen.
Seit der Operation ist sie arbeitsunfähig und kann ihrer Arbeit im Versorgungsamt im Ärztlichen Dienst nicht mehr nachgehen. Das Bedienen einer PC-Tastatur ist ihr nicht mehr möglich aufgrund der Bewegungseinschränkung, insbesondere der Dorsalextension. Im Dezember 2016 wurde der Klägerin die volle Erwerbsminderungsrente zugeteilt – rückwirkend zum 01.04.2016 -.

Der Beklagten ist vorzuwerfen, das MRT falsch ausgewertet zu haben. Auf den Aufnahmen ist ein Defekt des dreieckförmigen Faserknorpels gut sichtbar. Ferner zeigen sich Pathologien des Discus triangularis. Die Dorsalverkippung des OS Lunatum bei zumindest subtotaler Ruptur des dorsalen und gelenkseitiger Teilruptur des palmaren scapholunatären Bandes wurden ebenso, wie die Rupturzeichen am Ligamentum radioulnare dorsale und an der Sehne des Musculus extensor pollicis longus nicht erkannt.

Diagnoseirrtümer sind zwar regelmäßig keine Behandlungsfehler. Anders ist dies jedoch dann, wenn wie vorliegend ein klares Krankheitsbild nicht erkannt wird und/oder auf Nichterheben elementar gebotener Kontrollbefunde und/oder mangelnder Abklärung von Verdachtsdiagnosen beruht, vgl. BGH VersR 94,52 und BGH VersR 95,46.

Das Übersehen der bei der Klägerin vorliegenden Befunde ist aus fachradiologischer Sicht nicht mehr nachvollziehbar, da die pathologischen Befunde eindeutig, trotz fehlender bzw. gering ausgeprägter, typisch zu erwartender Begleitzeichen zu erkennen waren. Auch die DISI-Instabilität wurde fehlerhaft nicht erkannt.

Verfahren:
Das Landgericht Nürnberg stellte fest, dass auf Grundlage eines Sachverständigengutachtens, welches in einem die Klägerin betreffenden Parallelverfahren eingeholt wurde, von einem Behandlungsfehler auszugehen sei. Allerdings blieb noch offen, wie gravierend der Fehler war und inwieweit hieraus Schäden für die Klägerin resultieren. Das Gericht unterbreitete den Parteien daraufhin einen Vergleichsvorschlag, dem die Parteien nähergetreten sind. Die Gesamtschadensposition liegt im deutlich fünfstelligen Bereich.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Fehldiagnosen durch die Behandlerseite stellen im juristischen Sinne oftmals grobe Behandlungsfehler dar, mit anderen Worten, sie sind schlechterdings nicht nachvollziehbar und dürfen nicht passieren. Als Folge eines festgestellten groben Behandlungsfehlers erleichtern sich die Beweislastregeln zugunsten der geschädigten Patienten bis hin zur Beweislastumkehr, hat der Bundesgerichtshof klargestellt. Das kommt den Patienten in einem Arzthaftungsprozess natürlich zugute und führt in der Regel zu einem Prozesserfolg, so Rechtsanwältin Irene Rist und Rechtsanwalt Dr. D.C.Ciper LLM, beide Fachanwälte für Medizinrecht.

Oberlandesgericht Hamm vom 18.10.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Morbus Sudeck nach fehlerhafter Behandlung einer Tendovaginitis stenosans, 40.000,- Euro plus Feststeller, OLG Hamm, Az.: I – 3 U 156/17

Chronologie:
Die Klägerin litt infolge einer Sturzverletzung unter Schmerzen im Bereich ihres rechten Handgelenks. Diese waren belastungsabhängig. Sie stellte sich aufgrund dessen in der Klinik der Beklagten vor, wo ihr mitgeteilt wurde, dass die Tendovaginitis stenosans im Bereich des ersten Strecksehnenfaches mittels einer operativen Ringspaltung zu behandeln sei. Alternativen dazu wurden der Klägerin nicht aufgezeigt. Da diese sich wegen der OP jedoch unsicher war, ließ sie diese zunächst nicht vornehmen. Vielmehr unternahm sie zahlreiche konservative Behandlungsmöglichkeiten, die jedoch ebenfalls nicht zu einer nachhaltigen Beschwerdelinderung führten. Ohne dass sie erneut aufgeklärt wurde, fand der oben benannte Eingriff statt. In der Folge entwickelte sich bei ihr im Handgelenksbereich ein Morbus Sudeck (CRPS), d. h. ein chronisches Schmerzsyndrom. Ebenfalls bildete sich eine Atrophie im Handgelenksbereich. Die Hand war seither extrem berührungsempfindlich. Die Klägerin leidet unter dauerhaften Schmerzen.

Verfahren:
Nachdem die Klage erstinstanzlich vor dem Landgericht Münster zunächst abgewiesen wurde, arbeitete der Arzthaftungssenat am OLG Hamm die Angelegenheit in rechtlicher Hinsicht wesentlich genauer auf. Die Vorwürfe wurden dahingehend bestätigt, dass die Klägerin zu keiner Zeit über die Möglichkeit bestehender Behandlungsalternativen aufgeklärt wurde. Demzufolge sei der auch Monate später stattgehabte Eingriff rechtswidrig gewesen. Der Klägerin wurde ein Schmerzensgeld in Höhe von 40.000,00 € zugesprochen. Zusätzlich ist die Beklagte verpflichtet, der Klägerin die materiellen Schäden (Haushaltsführungsschäden, Folgebehandlungskosten, etc.) aufgrund des rechtswidrigen Eingriffs zu ersetzen.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
In landgerichtlichen Verfahren ist es manchmal so, dass arzthaftungsrechtlichen Angelegenheiten – trotz der enormen Wichtigkeit für die geschädigten Patienten – nicht die gebotene Aufmerksamkeit geschenkt wird. So war auch in diesem Fall in rechtlicher Hinsicht ein Schritt weiter zu denken. Die Klägerin wurde zu keiner Zeit ordnungsgemäß über die bestehenden Behandlungsalternativen aufgeklärt. Es war daher irrelevant, ob die Klägerin zwischenzeitlich sämtliche konservative Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft hatte. So darf ein Eingriff nämlich nur dann vorgenommen werden, wenn er auf einer ordnungsgemäßen Aufklärung beruht. Eine Alternativaufklärung wurde der Klägerin jedoch zu keinem Zeitpunkt zuteil, so dass auch der spätere Eingriff rechtswidrig war, obwohl zu diesem Zeitpunkt grundsätzlich keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten mehr bestanden hätten, stellen Rechtsanwalt Marius B. Gilsbach LLM und Dr. D.C.Ciper LLM, beide Fachanwälte für Medizinrecht klar.

Landgericht Wuppertal vom 15.10.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie mit Todesfolge nach fehlerhaftem Geburtsmanagement, LG Wuppertal, Az.: 5 O 280/16

Chronologie:
Die Klägerin begab sich in die Klinik der Beklagten zwecks Geburtseinleitung ihres zweiten Kindes. Hierbei traten Komplikationen auf. Es wurde eine Notsectio aus reiner Steißlage erforderlich. Das Neugeborene wurde sodann wegen schwerer primärer Asphyxie nach Uterusruptur in ein Uniklinikum verlegt, wo es einige Tage später verstarb. Es werden Fehler im Geburtsmanagement vorgeworfen.

Verfahren:
Das Landgericht Wuppertal hat den Vorfall durch ein gynäkologisches Gutachten hinterfragen lassen. Im Ergebnis stellt der Gutachter u.a. Aufklärungsmängel über Geburtsrisiken und Geburtsverlauf, Geburtsstillstand, pathologisches CTG und Risiken nach Sectio heraus. Ebenso sieht er Dokumentationsmängel. Das Landgericht Wuppertal hat den Parteien daher zu einem Vergleich über 12.000,- Euro angeraten, den diese akzeptierten.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Rechtlich gilt im Arzthaftungsrecht der Grundsatz, dass dasjenige was nicht dokumentiert ist, auch als nicht geschehen anzusehen ist. Fehler in der Dokumentation können daher für einen Prozessverlauf entscheidend sein, so Dr. D.C.Ciper LLM, Fachanwalt für Medizinrecht.

Landgericht Hannover vom 09.10.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Grob fehlerhafte Cholesteatom Behandlung, 30.000,- Euro, LG Hannover, Az.: 19 O 72/16

Chronologie:
Die Klägerin litt von Geburt an an wiederkehrenden Ohrenentzündungen. Sie befand sich aufgrund dessen in der Behandlung bei dem beklagten HNO-Arzt. Dieser operierte sie, wobei das dabei entnommene Gewebe jedoch nicht einer histologischen Untersuchung zugeführt wurde. Dementsprechend blieb das Krankheitsbild eines Cholesteatoms unerkannt und unbehandelt. In den folgenden zwei Jahren stellte sich die Klägerin immer wieder beim Beklagten vor. Obwohl diese eine zunehmende Symptomatik (Schwindelbeschwerden, deutliche Höreinschränkungen) beklagte, wurden keine weiteren Untersuchungen veranlasst.

Verfahren:
Außergerichtlich war bereits die Schlichtungsstelle der Norddeutschen Ärztekammern mit der Bewertung der Angelegenheit beauftragt worden. Von dort aus wurde festgestellt, dass sich das Cholesteatom aufgrund der fehlerhaften Operation im Mittelohr weiter ausbreiten konnte, zu einer Destruktion der Gehörknöchelchenkette führte und das Gleichgewichtsorgan arrodierte. Trotz dieser Feststellungen lehnte der gegnerische Haftpflichtversicherer eine Regulierung ab. Es kam sodann zur Klage vor dem Landgericht Hannover. Auch der dort bestellte Sachverständige bestätigte das Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers. Die Kammer schlug den Parteien sodann einen Vergleich in Höhe von 30.000,00 € vor, den diese akzeptierten.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Obwohl in dem bei der Ärztekammer geführten Schlichtungsstellenverfahren das Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers bestätigt wurde, sah sich die gegnerische Partei nicht dazu veranlasst, den entstandenen Schaden außergerichtlich regulieren zu wollen. Dabei hatte auch die Ärztekammer festgestellt, dass der gegnerische Arzt der Patientin zum Schadensersatz verpflichtet sei. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die hinter den Ärzten und Krankenhäusern stehenden Haftpflichtversicherungen es trotz solch eindeutiger Feststellungen oftmals auf ein gerichtliches Verfahren ankommen lassen. So wird gehofft, dass geschädigte Patienten ein gerichtliches Verfahren (aus Kostengründen) scheuen, oder aber ein Sachverständiger im Rechtsstreit das Vorliegen eines Behandlungsfehlers verneint. Dieser Fall zeigt einmal mehr auf, warum geschädigte Patienten sich ein solches Verhalten nicht gefallen lassen sollten, meinen Rechtsanwalt Marius Gilsbach LLM und Rechtsanwalt Dr. D.C.Ciper LLM, beide Fachanwälte für Medizinrecht.

Landgericht Freiburg im Breisgau vom 08.10.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Mangelhafte Aufklärung bei Sphinkterrekonstruktion, 15.000,- Euro, LG Freiburg, Az.: 1 O 281/16

Chronologie:
Die Klägerin stellte sich wegen einer leichten Stuhlinkontinenz am 02.02.2016 bei der Beklagten vor. Im Rahmen dieses Termins wurde der Klägerin geraten, eine Sphinkterrekonstruktion durchführen zu lassen. Zum Zwecke der Sphinkterrekonstruktion wurde die Klägerin schließlich am 07.02.2016 stationär aufgenommen. Am 08.02.2016 erfolgte die anteriore Sphinkterrekonstruktion. Am 11.02.2016 wurde die Klägerin aus der stationären Behandlung entlassen. Eine postoperative Visite und/oder eine Abschlussuntersuchung fanden nicht statt.
Am 15.02.2016 stellte sich die Klägerin erneut im Hause der Beklagten vor, da die Operationswunde nekrotisches Gewebe aufwies, welches umgehend entfernt werden musste. Dadurch entstand ein tiefes, dunkles Loch. Aufgrund der schlecht heilenden Operationswunde wurde die Klägerin erneut stationär aufgenommen. Am 16.02.2016 wurde eine weitere Operation durchgeführt, im Rahmen dieser wurde versucht, die defekte Stelle der Sphinkternaht aufzuspüren. Im Rahmen dieser Operation wurden weiteren Löcher im Darm festgestellt. Durch den dadurch austretenden Stuhl hat sich das herumliegende Gewebe entzündet und die Operationsnähte aufgeweicht. Im weiteren Verlauf wurde der Klägerin auf Dünndarm resorbierbare Kost umgestellt. In der Nacht vom 16.02.2016 auf den 17.02.2016 litt die Klägerin unter extrem starken Schmerzen. Trotz Schmerzmittel war sie nicht mehr in der Lage zu gehen. Dennoch erfolgte am 17.02.2016 keine Visite. Am Nachmittag des 17.02.2016 versuchte die diensthabende Ärztin den Aftermuskel mit dem Finger anzuregen, da die Klägerin schon längere Zeit keinen Stuhlgang hatte. Dabei schrie die Klägerin vor Schmerzen auf.
Am 18.02.2016 verschlechterten sich die Beschwerden der Klägerin zunehmend. Sie lag den ganzen Tag weinend im Bett, dennoch kam zunächst kein Arzt zur Visite. Erst auf erneute Nachfrage erschien gegen 17:30 Uhr ein Arzt. Dieser stellte fest, dass sich die Nähte erneut gelockert hatten und sich erneut Stuhl in der Wunde (Damm) befand. Am Folgetag, den 19.02.2016, wurde die Klägerin daher erneut operiert und ein Stoma angelegt. Am Samstag, den 20.02.2016 verschlechterte sich der Zustand der Klägerin erneut, da sie immer noch keinen Stuhlgang hatte. Auch am 21.02.2016 wurde die Klägerin nicht eingehend untersucht. Es wurde weder eine Stomakontrolle noch sonstige Untersuchungen vorgenommen, obwohl die Klägerin immer noch keinen Stuhlgang hatte. Auch die Folgetage waren für die Klägerin eine Qual. Stuhlgang stellte sich nach wie vor nicht ein. Untersuchungen wurden dennoch nicht vorgenommen. Sie litt unter Übelkeit, Völlegefühl und starken Schmerzen.
Die Klägerin leidet bis heute unter starken Schmerzen und ist durch das Stoma stark beeinträchtigt. Zwischen After und Scheide befindet sich ein großes Loch, der Enddarm ist durch Perforationen beschädigt. Hinzu kommt der Anus praeter, welcher der Klägerin Probleme bereitet. Darüber hinaus hat sie einen 13 cm langen vertikalen Bauchschnitt, der sicher noch lange Zeit Schmerzen bereiten wird. Nicht zu verachten ist ferner die optische Problematik im Hinblick auf die lange Narbe. Die Klägerin ist insgesamt stark beeinträchtigt. Sie darf maximal 5 kg heben, kann nicht in einem normalen Tempo gehen. Im Haushalt ist sie sehr eingeschränkt. Familienausflüge sind derzeit undenkbar. Auch die Sozialkontakte hat die Klägerin einstellen müssen, da durch das Stoma ständig unkontrollierbare Nebengeräusche entstehen. Ein Sexualleben gibt es nicht mehr. Auch ihre freiberufliche Tätigkeit als medizinische Fußpflegerin kann die Klägerin nicht mehr ausführen. Der GdB liegt bei 70.

Den behandelnden Ärzten der Beklagten wurde vorgeworfen, die dringend notwendige postoperative Wundversorgung nicht dem medizinischen Standard entsprechend durchgeführt zu haben. Nach der Operation vom 08.02.2016 fanden keine ärztlichen Visiten und keine ausreichende Verbandswechsel statt, sodass die Operationswunde nekrotisch wurde. Wäre bereits im Rahmen des ersten stationären Aufenthalts vom 07.02.2016 bis 11.02.20216 dem medizinischen Standard entsprechend eine ausführliche Wundsäuberung vorgenommen worden, wäre die Wunde nicht nekrotisiert. Die Folgeoperationen und insbesondere das Anlegen des Stomas wäre somit verhindert worden.
Darüber hinaus wurde die Aufklärungsrüge erhoben.

Verfahren:
Das vom Gericht in Auftrag gegebenen Sachverständigengutachten hat keine Behandlungsfehler bestätigt. Allerdings sah das Gericht die Möglichkeit einer Aufklärungspflichtverletzung als gegeben an.
Daraufhin schlossen die Parteien auf Vorschlag des Gerichts einen Vergleich. Danach hat die Beklagte an die Klägerin als Gesamtschadensausgleich einen Betrag in Höhe von EUR 15.000,00 zu zahlen.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
In vielen Arzthaftungsprozessen kommt es für den geschädigten Patienten nicht aus dem Grunde zu einem Erfolg, weil gutachterlich ein ärztlicher Behandlungsfehler konstatiert wurde, sondern weil den Ärzten ein Aufklärungsverschulden vorgeworfen wird, so wie hier. Im Ergebnis stehen Aufklärungsfehler mit den Behandlungsfehlern insoweit auf gleicher Stufe, so Rechtsanwältin Irene Rist und Rechtsanwalt Dr. D.C.Ciper LLM, beide Fachanwälte für Medizinrecht.

Landgericht Frankfurt/M. vom 02.10.2019 Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler: Fehlgeschlagene Re-Lasik Operation, LG Frankfurt/M., Az.: 2-14 O 329/14

Chronologie:
Der Kläger stellte sich erstmals im Jahre 2000 in der Praxis der Beklagten vor zwecks Vornahme einer Lasik Operation. Zwölf Jahre später schilderte er den Beklagten eine Sehschwäche, woraufhin diese ihm eine Re-Lasik Operation anrieten und vornahmen. Es stellte sich ein deutlicher Sehkraftverlust von etwa 30 – 40 Prozent auf beiden Augen ein. Über dieses Risiko war der Kläger nicht informiert.

Verfahren:
Das Landgericht Frankfurt/M. hat den Vorfall augenärztlich gutachterlich hinterfragen lassen. Im Ergebnis stellte der Sachverständige insbesondere heraus, dass das Risiko einer Sehverschlechterung bei Re-Lasik Operationen deutlich höher sei, als bei Lasik Operationen und bei rund 20 Prozent liege. Da der Kläger hierüber nicht hinreichend aufgeklärt wurde, schlossen die Parteien sodann auf Anraten des Gerichtes einen Vergleich über 5.000,- Euro.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Jede Operation birgt ein Risiko, über das die Behandlerseite angemessen aufzuklären hat. Auch bei Routineoperationen, wie der Lasik Operation können Gesundheitsschäden nicht ausgeschlossen werden. Der Sachverständige hat deutlich gemacht, dass sich dieses Risiko bei Re-Lasik Operation nochmals erhöht, so Dr. D.C.Ciper LLM, Fachanwalt für Medizinrecht.